Vortrag von Herbert Eigler

Mit den Anfängen von Marktoberdorf befasste sich ein Vortrag von Herbert Eigler, den er im Modeon – in unmittelbarer Nähe zu dem 1960-62 ausgegrabenen alamannischen Reihengräberfeld in der Alemannenstraße hielt. Wer diese Alamannen waren, das machte er anhand von Erwähnungen in der römischen Geschichtsschreibung klar: ein Gemisch aus mehreren Volksgruppen, die 213 n. Chr. den römischen Limes durchbrachen. Sie siedelten zunächst nördlich der Donau und westlich der Iller, im Norden bis zum Main. Im 6.-8. Jahrhundert verlagerten sie sich weiter nach Süden bis in die Schweiz und im Osten bis zum Lech. Die -hofen-Orte im Altdorfer Talbecken sind alamannische Gründungen. Nach dem Abzug der Römer ließen sich die Alamannen nicht etwa in den verlassenen römischen Steinbauten nieder, sondern sie lebten zusammen mit ihrem Vieh in riedgedeckten Holzhäusern ohne Kamin. Sie kannten keine Geschichtsschreibung und nutzten Runen für magische Beschwörungen. Bis zur Christianisierung bestatteten sie ihre Toten – wie in Marktoberdorf – in Reihengräbern. Eigler berichtete, wie 1960 bei der Erschließung eines Baugebietes in der heutigen Alemannenstraße ein solches Reihengräberfeld entdeckt worden war und welche Grabbeigaben bei ihnen gefunden wurden. 746 n. Chr. besiegten die Franken die Alamannen bei Cannstatt und herrschten von da an auch im heutigen Ostallgäu. Ihr Herrschaftsgebiet war durch eine straffe Verwaltung gegliedert, Oberdorf lag ab da in der fränkischen Grafschaft Keltenstein und war der Zentene Bertoldshofen zugeordnet, wo es einen Reichshof gab. Für Oberdorf zeichnete Eigler folgendes Bild: An der heutigen Kaufbeurer Straße gab es einen Königshof mit direkter Beziehung zur Reichsregierung. Die Reichshofkirche für die Zentene Bertoldshofen stand an der Stelle der heutigen St.-Martinkirche in Marktoberdorf. Die alamannische Wohnsiedlung unter fränkischer Herrschaft vermutete er nördlich der heutigen Eberle-Kögl-Straße am Südhang des Schlossberges. Christen wollten die Alamannen nur ungern werden – die Annahme des christlichen Glaubens war ihnen gleichbedeutend mit der Unterwerfung unter die fränkische Herrschaft. Vom hl. Magnus, dem Apostel des Allgäus wurde unsere Gegend schließlich christianisiert, die erste Oberdorfer Pfarrkirche stand wohl an der Stelle, wo heute die Frauenkapelle steht.

Text und Foto: Kornelia Hieber

 

 

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