Auf vielfältigen Wunsch veranstaltete der mit der Renovierung der Frauenkapelle beauftragte Architekt Christian Eger eine „visuelle Baustellenführung“ für den Heimatverein und seine Gäste: Feuchtigkeitsschäden und Risse im Mauerwerk, Rost und morsche Balken hatten eine umfassende Innen- und Außenrenovierung notwendig gemacht. Ein immens komplexes Projekt ist das, das wurde den Zuhörern schnell klar. Sehr aufwändig waren bereits die Vorarbeiten, wie Eger aufzählte. Umfangreiche Recherchen der Bauhistorie, eine gründliche Schadensanalyse, Aufmaßzeichnungen und Berechnungen sowie ein Maßnahmenkatalog, was alles erledigt werden muss, mündeten in eine Kostenschätzung. Fachbehörden wie das Amt für Denkmalpflege mussten beteiligt werden. Nach dem Projektauftrag der Diözese war festzulegen, wer welche Arbeiten wann zu welchem Preis erledigen soll. Die permanente Kontrolle von Terminen, Finanzen und Qualität sei eine Daueraufgabe während der ganzen Projektdauer.
Und dann waren da noch die „Überraschungen“ die Eger im Zuge der Bauarbeiten immer wieder erlebte: Eigentlich hätte zunächst das Dach des Langhauses in Angriff genommen werden sollen. Beim Versuch, den Dachstuhl für die Arbeit am Gebälk zu entlasten, dann die unangenehme Erkenntnis, dass dafür zuerst mehrere Lagen schadstoffbelasteter Mineralfasermatten sowie massiv ausgebildeter, bewehrter Aufbeton auf den Mauerkronen der Traufen entfernt werden mussten. Ersteres mit Schutzanzug und Atemschutz, letzteres in langwieriger Handarbeit. Die Ursachensuche für die Feuchtigkeitsschäden am Sockel des Kirchenschiffs führte zu der überraschenden Einsicht, dass das Dachwasser zwar über Fallrohre abgeführt wurde, dort jedoch auf Grund von Verstopfungen oder Leitungsbruch ins Erdreich abfloss. Die nicht abgedichteten Fundamente wurden demnach durch das Dachwasser quasi bewässert, was zu den sichtbaren, erheblichen Putzschäden im Sockelbereich führte. Ein Schreckmoment selbst für den erfahrenen Kirchensanierer war der Zustand der Decke unter dem Glockenstuhl: Alle Balken waren komplett kaputt und mussten ausgewechselt werden. Mit dem – momentan glockenlosen – Glockenstuhl obendrüber. Es hatte noch mehr solcher „Überraschungen“ gegeben, aber auch dank seiner 25-jährigen Berufserfahrung hat Christian Eger mit seinen Handwerkerkollegen und der Unterstützung der Fachbehörden immer Lösungen gefunden. Nun stehe noch die Renovierung des Seitenschiffes und des Vorzeichens an. Ende des Jahres sollen die Arbeiten beendet sein. Zahlreiche, sehr eindrückliche Fotos zeigten die Schäden an der ehrwürdigen Kapelle und die teils sehr schwierigen Sanierungsarbeiten. Auch Bruchstücke alter Balken hatte er dabei, federleicht und durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Die Zuhörer waren schwer beeindruckt.
Text und Foto: Kornelia Hieber