Moore renaturieren, das ist eine komplexe, schwierige und langwierige Sache. Dies wurde den Zuhörern des Vortrags von Dr. Ulrich Weiland für den Heimatverein Marktoberdorf schnell klar. Wer ein Moor renaturieren will, muss wissen, wie seine geologischen und hydrogeologischen Verhältnisse sind, wie es mit Wasser versorgt wird bzw. wurde und welche Schäden es – durch Drainagen, Bewirtschaftung oder Torfstiche – davongetragen hat. Je nach dem kommen verschiedene Sanierungsmöglichkeiten in Frage.

Referent Dr. Ulrich Weiland
Foto: Kornelia Hieber
„Intakte Moore sind ganzjährig wassergesättigt. Ihre Biomasse zersetzt sich nicht vollständig, weshalb sich Torf bildet“, erklärte Weiland. Solche Moore ziehen große Mengen des Treibhausgases CO2 aus der Atmosphäre und speichern sie als Kohlenstoff im Torfboden. Werden sie jedoch entwässert, setzen sie große Mengen CO2 frei und belasten das Klima. Die Moorallianz, deren Projektleiter Weiland ist, renaturiert geschädigte Moorgrundstücke so, dass kein CO2 mehr freigesetzt wird und auf Dauer wieder eine Einlagerung von CO2 erfolgen kann. Voraussetzung ist, dass sie in öffentlicher Hand sind oder von der Moorallianz erworben wurden. Dies zeigt eine weitere Schwierigkeit beim Moorschutz: In unserer Region sind Moore aus historischen Gründen oftmals in kleinste Parzellen aufgeteilt. Wird nun eine Moorfläche renaturiert – sprich wiedervernässt, – so dürfen Nachbargrundstücke in Privatbesitz dadurch nicht beeinträchtigt werden, selbst wenn z. B. Gräben entlang von Grundstücksgrenzen das Moor weiter entwässern.

Foto: Projektbüro Allgäuer Moorallianz
Im Räsenmoos bei Geisenried war das Hauptproblem ein großer zentraler Entwässerungsgraben. Den verschlossen die Fachleute mit Dämmen, die jeweils eine große Holzspundwand als Armierung enthalten - und die mit ausgeschachtetem Torf überdeckt wurde. Umfangreiche Sanierungen fanden im Schwindenmoos am Talrand der Geltnach statt: Ca. 200 kleine Torfdämme wurden dort gebaut, aber auch große Torfdämme mit Stammholzarmierung, deren Dammkronen mit Maschendraht gegen Biber gesichert wurden. Im Bereich ehemaliger Torfstiche wurden technische Dämme mit Stahlspundwänden eingebaut, die bis in sechs Meter Tiefe reichen. Im Stöttener Moos lagen und liegen besonders viele Schäden vor: zerstochene und entwässerte Hochmoorkörper, Torfstiche und Drainagesysteme in den umliegenden Moorwiesen. Hier konnte die Moorallianz in den Wiesenbereichen auf einigen Flächen Drainagen rückbauen (lassen). Bilanz z. B. nach Abschluss der Arbeiten im Mai 2024: 1.230 m entfernte Drainagen auf einer Fläche von nur 1,2 ha. Wann sich denn bei der Moorrenaturierung Erfolge zeigen, kam als Frage aus dem Publikum. „Bis sich wieder eine typische Vegetation aus Sauergräsern ausgebildet hat, kann es 20 bis 25 Jahre dauern“, bekannte Weiland. Der Erfolg der Arbeiten werde allerdings durch regelmäßige Pegelstandsmessungen kontrolliert, wo sich die Wirkung der Maßnahme sehr schnell mit ansteigenden Grundwasserständen zeigt. „Moorschutz braucht einen langen Atem“, so Weiland. Ein intaktes Moor wächst im Jahr ca. 1 mm in die Höhe, während ein entwässertes Moor im Jahr etwa 1 cm an Höhe verliert. Rund 320 ha Moorflächen konnte die Moorallianz bisher erwerben, ihr Projektgebiet umfasst allerdings 14.000 ha.
Text: Kornelia Hieber